aktualisiert: Mai 2026
Schulden beim Unterhalt
anrechnen: Was wirklich
abgezogen wird (2026)
Kurz erklärt:
Schulden können den Unterhalt reduzieren – aber
nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Entscheidend ist, ob die Schulden notwendig,
angemessen und nicht absichtlich zur Verringerung
des Unterhalts aufgenommen wurden. Nicht jede
Verbindlichkeit wird berücksichtigt.
Grundprinzip: Unterhalt und
bereinigtes Einkommen
Beim Unterhalt zählt nicht einfach das
Nettoeinkommen, sondern das sogenannte
bereinigte Einkommen.
Das bedeutet:
Bestimmte Ausgaben – darunter auch Schulden –
können vom Einkommen abgezogen werden,
bevor der Unterhalt berechnet wird.
Aber: Nicht alle Schulden sind abzugsfähig.
Welche Schulden werden beim
Unterhalt angerechnet?
Gerichte erkennen Schulden grundsätzlich dann
an, wenn sie sachlich gerechtfertigt und
wirtschaftlich sinnvoll sind.
Typische Beispiele:
Gemeinsame Schulden aus der Ehe
(z. B. Hauskredit, gemeinsam aufgenommene
Darlehen)
Notwendige Kredite
(z. B. Autokredit für den Arbeitsweg)
Existenzsichernde Verbindlichkeiten
(z. B. Mietrückstände, medizinisch notwendige
Ausgaben)
Alte Schulden vor der Trennung
(häufig anerkannt)
Entscheidend ist immer die Einzelfallprüfung durch
das Gericht.
Welche Schulden werden NICHT
berücksichtigt?
Viele machen hier Fehler: Nicht jede Schuld
mindert den Unterhalt.
In der Regel nicht abzugsfähig sind:
•
Luxus- und Konsumschulden
•
(z. B. teure Elektronik, Urlaube)
•
Bewusst neu aufgenommene Schulden nach
der Trennung
•
(zur Reduzierung des Unterhalts)
•
Unnötige oder überhöhte Kredite
•
Schulden eines neuen Partners
Gerichte prüfen genau, ob Schulden
„vermeidbar“ gewesen wären.
Alles, was Sie zum Unterhalt brauchen:
Wissen, Vorlagen & Berechnungstools
kompakt in einem Paket.
Schuldenart
Anrechnung
Grund
Hauskredit
Ja
notwendig
Konsumschulden
Nein
nicht erforderlich
Autokredit
teilweise
beruflich abhängig
Praxisbeispiel: Werden Schulden
beim Unterhalt berücksichtigt?
Ein Vater verdient monatlich 2.500 € netto und
muss Kindesunterhalt zahlen. Er hat zusätzlich
folgende Schulden:
•
300 € monatlich für einen Autokredit
•
200 € für einen Konsumkredit (Fernseher,
Möbel)
•
150 € für einen Kredit, den er nach der
Trennung aufgenommen hat
Bewertung
Autokredit (300 €). Wird teilweise anerkannt,
wenn das Auto notwendig ist, z. B. für den
Arbeitsweg.
Konsumkredit (200 €) Wird oft nicht berücksichtigt,
wenn es sich um Luxus oder nicht notwendige
Anschaffungen handelt.
X Kredit nach der Trennung (150 €) Wird in der
Regel nicht anerkannt, wenn er bewusst
aufgenommen wurde, um das Einkommen zu
reduzieren.
Ergebnis
Für die Unterhaltsberechnung gilt:
•
Nur der Autokredit wird (teilweise) abgezogen
•
Die anderen Schulden bleiben unberücksichtigt
Das unterhaltsrelevante Einkommen bleibt daher
höher als erwartet
Praxisfall: Autokredit nach Trennung
und Unterhalt
Ein Unterhaltspflichtiger verdient 2.800 € netto im
Monat und zahlt einen Autokredit von 450 €
monatlich. Das Fahrzeug wurde während der Ehe
finanziert und wird weiterhin für den Arbeitsweg
benötigt.
Nach der Trennung fordert der Ex-Partner höheren
Unterhalt.
Bewertung durch das Gericht:
Das Gericht prüft, ob der Autokredit das
Einkommen mindern darf:
•
Das Auto wird für den Arbeitsweg benötigt →
grundsätzlich notwendig
•
Der Kredit bestand bereits vor der Trennung →
eher berücksichtigungsfähig
•
Die monatliche Rate ist jedoch relativ hoch →
Angemessenheit wird geprüft
Ergebnis:
Der Kredit wird teilweise als abzugsfähig
anerkannt, aber nur in Höhe eines angemessenen
Vergleichsbetrags (z. B. Kosten eines günstigeren
Fahrzeugs).
Der Unterhalt wird dadurch nicht vollständig
reduziert, sondern nur leicht angepasst.
Warum dieser Fall wichtig ist
Dieser Fall zeigt ein typisches Problem im
Unterhaltsrecht:
Nicht die Existenz der Schulden ist entscheidend,
sondern deren Notwendigkeit und wirtschaftliche
Angemessenheit
Gerichte prüfen immer:
•
Gibt es eine günstigere Alternative?
•
Wurde das Fahrzeug wirklich benötigt?
•
Steht die Ausgabe im Verhältnis zum
Einkommen?
Entscheidungskriterien der Gerichte
offizielle Gerichte / Rechtsprechung
Ob Schulden angerechnet werden, hängt vor allem
von diesen Faktoren ab:
1. Zeitpunkt der Schulden
•
Vor der Trennung → eher anerkannt
•
Nach der Trennung → kritisch geprüft
2. Notwendigkeit
•
War die Ausgabe wirklich erforderlich?
3. Angemessenheit
•
Passt die Höhe zum Einkommen?
4. Lebensstandard & Verantwortung
Unterhaltspflichten gegenüber Kindern haben
Priorität
Beispiel aus der Praxis
Ein Unterhaltspflichtiger zahlt einen Autokredit.
Ergebnis:
•
Wird anerkannt, wenn das Auto für den Job
notwendig ist
•
Wird nicht anerkannt, wenn es sich um ein
Luxusfahrzeug handelt
FAQ – Häufige Fragen
Werden Schulden immer beim Unterhalt
berücksichtigt?
Nein. Nur notwendige und angemessene Schulden
werden anerkannt.
Zählt ein Autokredit automatisch?
Nein. Nur wenn das Fahrzeug beruflich oder
zwingend erforderlich ist.
Was passiert mit Schulden nach der
Trennung?
Diese werden oft nicht oder nur eingeschränkt
berücksichtigt.
Ja, aber nur wenn sie berechtigt sind.
Kindesunterhalt hat immer Vorrang.
Fazit
Schulden können den Unterhalt beeinflussen –
aber nur unter strengen Voraussetzungen.
Gerichte prüfen genau, ob die Verbindlichkeiten
gerechtfertigt, notwendig und fair sind.
Wer unsicher ist, sollte seine individuelle Situation
genau prüfen (lassen).
⚖️ Aktuelles Gerichtsurteil (2025):
Schulden und Unterhalt im
gemeinsamen Hauskredit
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat 2025
entschieden, wie Darlehensschulden bei
gemeinsamem Immobilienkredit unterhaltsrechtlich
zu behandeln sind.
Sachverhalt
Ehegatten hatten gemeinsam ein Haus finanziert.
Nach der Trennung zahlte ein Ehepartner weiterhin
die Kreditraten allein.
⚖️ Entscheidung des BGH (10.07.2025 – IX ZR
108/24)
Der BGH stellte klar:
Zinszahlungen können unterhaltsrechtlich
berücksichtigt werden, wenn sie den Wohnbedarf
sichern
Tilgungsleistungen sind dagegen problematisch, da
sie Vermögen beim anderen Ehegatten aufbauen
Tilgung kann daher unentgeltlich und nicht
schutzwürdig sein
Ergebnis:
Nur ein Teil der Kreditrate kann das
unterhaltsrelevante Einkommen mindern.
Bedeutung für den Unterhalt
Das Urteil zeigt einen wichtigen Grundsatz:
•
Schulden werden beim Unterhalt nicht
automatisch anerkannt
•
Entscheidend ist, ob sie notwendig und
unterhaltsrechtlich gerechtfertigt sind
Gerade bei Immobilienkrediten wird strikt getrennt
zwischen:
•
Wohnkosten (eher anerkannt)
•
Vermögensbildung (oft nicht anerkannt)
Warum das Urteil wichtig ist
Dieses Urteil wird häufig herangezogen, weil es
bestätigt:
•
Unterhalt und Schulden sind immer
Einzelfallentscheidungen
•
Gerichte prüfen streng die wirtschaftliche
Notwendigkeit
•
Vermögensaufbau durch Schulden zählt nicht
automatisch als Belastung
Autor: Redaktion AMK-Rechtsportal
aktualisiert: Mai 2026 –
Diese Beiträge wurden von der Redaktion von AMK-
Rechtsportal erstellt.
Die Inhalte basieren auf sorgfältiger Recherche von
Gesetzestexten und aktueller Rechtsprechung. Inhalte
werden regelmäßig mit juristischen Quellen abgeglichen.
Unser Ziel ist es, rechtliche Themen verständlich und pra-
xisnah darzustellen.
Geprüfte Inhalte
- Verständlich und praxisnah erklärt
- Regelmäßig aktualisiert
Hinweis: Die Artikel stellen keine Rechtsberatung dar.
Recht verstehen. Sicher entscheiden.
Praxisnahe Informationen, aktuelle Urteile
und hilfreiche Vorlagen- verständlich erklärt