⚖️ Aktuelles Urteil zum Wohnvorteil (BGH,
27.11.2024 – XII ZB 28/23)
Der Bundesgerichtshof hat sich in einem
Beschluss vom 27. November 2024 (Az. XII ZB
28/23) erneut mit dem Zusammenspiel von
Wohnvorteil, Unterhalt und
Nutzungsentschädigung bei getrennt lebenden
Ehegatten beschäftigt.
Kurz zusammengefasst
Der BGH stellt klar:
Der Wohnvorteil (fiktive Miete) ist weiterhin als
unterhaltsrelevantes Einkommen zu
berücksichtigen.
⚖️ Gleichzeitig darf es nicht zu einer
Doppelverwertung kommen, wenn zusätzlich eine
Nutzungsentschädigung nach § 1361b BGB im
Raum steht.
Entscheidend ist eine Gesamtbetrachtung der
wirtschaftlichen Verhältnisse beider Ehegatten
während der Trennung. Der Wohnvorteil ist in die
Unterhaltsberechnung einzubeziehen, aber im
Kontext anderer Ausgleichsansprüche zu
bewerten.
Wohnvorteil beim Unterhalt
berechnen – Rechner, Formel &
Beispiele (2026)
Wohnvorteil einfach berechnen
Wenn Sie in einer eigenen Immobilie wohnen, kann
der daraus entstehende Wohnvorteil beim Unterhalt
als Einkommen berücksichtigt werden.
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Was ist der Wohnvorteil?
Der Wohnvorteil ist der finanzielle Vorteil, den eine
Person dadurch hat, dass sie keine Miete für eine
eigene Immobilie zahlen muss.
Würde die Immobilie vermietet werden, könnte
daraus eine Mieteinnahme entstehen. Dieser
ersparte Mietaufwand kann bei
Unterhaltsberechnungen berücksichtigt werden.
Kurzformel:
•
Wohnwert
•
➖ abzugsfähige Belastungen
•
= Wohnvorteil
Wohnvorteil berechnen – die Formel
Die Berechnung erfolgt grundsätzlich nach
folgendem Schema:
Angemessener Mietwert der Immobilie
– berücksichtigungsfähige Kosten
= Wohnvorteil
Berücksichtigt werden können unter anderem:
•
✔ Darlehenszinsen
•
✔ bestimmte laufende Belastungen
•
✔ unterhaltsrechtlich relevante Kosten
⚠️ Die Tilgung eines Kredits wird nicht
automatisch vollständig berücksichtigt.
Welche Faktoren beeinflussen den
Wohnwert?
Der Wohnwert richtet sich nicht nur nach den
tatsächlichen Kosten, sondern nach dem
objektiven Mietwert.
Wichtige Faktoren:
•
Lage der Immobilie
•
Wohnfläche
•
Ausstattung
•
Zustand des Gebäudes
•
örtlicher Mietspiegel
⏳ Wohnvorteil bei Trennung und
Scheidung
Während der Trennungszeit
In der Trennungszeit kann die Bewertung des
Wohnvorteils günstiger ausfallen, da die bisherige
Lebenssituation berücksichtigt wird.
⚖️ Nach der Scheidung
Nach der Scheidung kann stärker der objektive
Mietwert der Immobilie zugrunde gelegt werden.
Die genaue Berechnung hängt immer von den
persönlichen Umständen ab.
Beispiele zur Berechnung
Beispiel 1: Eigentumswohnung ohne Kredit
Mietwert: 1.200 €
➖ Kosten: 100 €
Berechnung:
1.200 € – 100 € =
✅ 1.100 € Wohnvorteil
Beispiel 2: Haus mit Finanzierung
Mietwert: 1.600 €
Darlehenszinsen: 500 €
Berechnung:
1.600 € – 500 € =
✅ 1.100 € Wohnvorteil
Beispiel 3: Gemeinsames Familienheim nach
Trennung
Ein Ehepartner bleibt nach der Trennung im
gemeinsamen Haus wohnen.
Dabei kann ein Wohnvorteil entstehen. Die
Bewertung hängt insbesondere ab von:
✔ Zeitpunkt der Trennung
✔ Eigentumsverhältnissen
✔ Finanzierung
✔ Nutzung der Immobilie
Wohnvorteil beim Kindesunterhalt
Der Wohnvorteil kann auch beim Kindesunterhalt
eine Rolle spielen.
Er kann das unterhaltsrechtlich relevante
Einkommen erhöhen.
Wichtige Punkte:
•
Einkommen des Elternteils
•
Anzahl der Kinder
•
Wohnsituation
•
Finanzierung der Immobilie
Wohnvorteil beim Ehegattenunterhalt
Beim Ehegattenunterhalt wird geprüft, welche
finanziellen Vorteile tatsächlich vorhanden sind.
Das mietfreie Wohnen in einer eigenen Immobilie
kann deshalb berücksichtigt werden.
Besonders wichtig:
•
Zeitpunkt der Trennung
•
Eigentumsverhältnisse
•
Belastungen
•
Einzelfallbewertung
❓ Häufige Fragen zum Wohnvorteil
Wird der Wohnvorteil als Einkommen
gerechnet?
✅ Ja. Der Wohnvorteil kann als Einkommen
berücksichtigt werden, weil keine Miete gezahlt
werden muss.
Kann die komplette Kreditrate abgezogen
werden?
⚠️ Nicht automatisch. Besonders die Tilgung wird
unterhaltsrechtlich anders behandelt als Zinsen.
Gilt der Wohnvorteil auch für
Eigentumswohnungen?
✅ Ja. Entscheidend ist der wirtschaftliche Vorteil
des mietfreien Wohnens.
Muss der Wohnvorteil versteuert werden?
❌ Nein. Der Wohnvorteil ist keine normale
Mieteinnahme.
Welche Miete zählt für die Berechnung?
Entscheidend ist grundsätzlich der objektive
Mietwert der Immobilie.
⚖️ Rechtliche Grundlagen
Die Berechnung des Wohnvorteils basiert auf den
Grundsätzen des deutschen Unterhaltsrechts.
Berücksichtigt werden insbesondere:
•
Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs
•
Unterhaltsrechtliche Leitlinien der
Oberlandesgerichte
•
individuelle Umstände des jeweiligen Falls
Zugewinnausgleich
Erbschaften, Schenkungen und
Schmerzensgeld zählen grundsätzlich
nicht direkt zum Zugewinn.
Gütergemeinschaft
Für viele Ehepaare ist Gütertrennung oder
die gesetzliche Zugewinngemeinschaft
sinnvoller als eine Gütergemeinschaft.
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Autor: „Fachredaktion Familienrecht“
AMK-Rechtsportal
aktualisiert: Juli 2026 –
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