✍️ Autor: Redaktion AMK-Rechtsportal | Aktualisiert: Oktober 2026Sie leben nach der Trennung im gemeinsamen Haus? Oder Ihr früherer Partner wohnt weiterhin in der eigenen Immobilie? Dann stellt sich oft eine wichtige Frage: Muss der Wohnvorteil beim Unterhalt berücksichtigt werden?Die Antwort lautet meistens ja. Wer mietfrei im eigenen Haus lebt, spart Wohnkosten. Diese Ersparnis kann das unterhaltsrechtlich relevante Einkommen erhöhen. Wie hoch der Betrag ausfällt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.Der Wohnvorteil ist der wirtschaftliche Vorteil, den Sie durch das Wohnen in einer eigenen Immobilie haben. Er kann bei der Berechnung von Kindesunterhalt und Ehegattenunterhalt als Einkommen berücksichtigt werden. Entscheidend sind unter anderem die Wohnsituation, die Finanzierung und die jeweilige Unterhaltsart.
Was bedeutet Wohnvorteil beim Unterhalt?
Ein Wohnvorteil entsteht, wenn Sie eine eigene Immobilie selbst bewohnen und dadurch keine vergleichbare Miete zahlen müssen.Das Unterhaltsrecht behandelt diesen Vorteil grundsätzlich wie einen wirtschaftlichen Einkommensvorteil. Er kann deshalb beeinflussen, wie viel Unterhalt Sie zahlen müssen oder erhalten.Der Wohnvorteil ist allerdings kein zusätzlich ausgezahltes Geld. Sie können damit keine Rechnung bezahlen. Trotzdem kann er Ihre unterhaltsrechtliche Leistungsfähigkeit erhöhen.
Welche Immobilien sind betroffen?
Der Wohnvorteil kann bei verschiedenen selbst genutzten Immobilien eine Rolle spielen:•Einfamilienhaus oder Doppelhaushälfte•Eigentumswohnung•Gemeinsames Haus nach der Trennung•Immobilie, die einem Ehepartner allein gehörtEntscheidend ist die tatsächliche Nutzung. Auch die Eigentumsverhältnisse und die laufenden Kosten müssen geprüft werden.
⚖️ Wie wird der Wohnvorteil berechnet?
Ausgangspunkt ist der Wohnwert der Immobilie. Er beschreibt den wirtschaftlichen Wert des mietfreien Wohnens.Dabei kommt es auf die jeweilige Unterhaltsart und die konkrete Lebenssituation an. Eine pauschale Berechnung passt deshalb nicht für jeden Fall.1. Objektiver MietwertBei bestimmten Unterhaltsberechnungen zählt die Miete, die sich durch eine Vermietung an Dritte erzielen ließe. Dieser Wert heißt objektiver Mietwert.Er kann insbesondere beim Kindesunterhalt wichtig sein, wenn die Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Elternteils geprüft wird.2. Angemessener WohnwertBeim Ehegattenunterhalt kann zunächst eine andere Betrachtung gelten. Während der Trennungszeit kann der Wohnwert unter Umständen niedriger angesetzt werden.Das kommt beispielsweise infrage, wenn die bisherige Ehewohnung noch nicht dauerhaft zur neuen Lebenssituation passt. Später kann eine höhere Bewertung maßgeblich werden.3. Finanzierung und laufende KostenNicht jede Ausgabe für das Haus darf automatisch vom Wohnvorteil abgezogen werden. Es kommt auf die Art der Ausgabe und die unterhaltsrechtlichen Regeln an.Zu prüfen sind insbesondere:•Zinsen für Immobilienkredite•Tilgungsleistungen zur Rückzahlung des Kredits•Nicht umlagefähige Kosten•Erforderliche InstandhaltungskostenDie Tilgung ist besonders wichtig. Sie reduziert die Darlehensschuld und baut Vermögen auf. Deshalb wird sie nicht immer vollständig wie eine gewöhnliche Ausgabe behandelt.
Welche Kosten mindern den Wohnvorteil?
Die Berechnung beginnt mit dem maßgeblichen Wohnwert. Anschließend werden zulässige Belastungen nach den geltenden Unterhaltsregeln geprüft.PositionUnterhaltsrechtliche BehandlungKredit-ZinsenKönnen abzugsfähig seinKredit-TilgungEinzelfallprüfung erforderlichHausgeldNur relevante Kosten prüfenInstandhaltungAngemessene Kosten prüfenStrom und HeizungNicht pauschal abziehenAchtung: Diese Tabelle ersetzt keine konkrete Berechnung. Die Gerichte berücksichtigen auch die wirtschaftliche Lage und die Interessen der Unterhaltsberechtigten.
Wohnvorteil beim Kindesunterhalt
Beim Kindesunterhalt zählt grundsätzlich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beider Elternteile nach den geltenden Regeln.Wohnt ein Elternteil mietfrei im eigenen Haus, kann der Wohnvorteil sein unterhaltsrechtliches Einkommen erhöhen. Das kann sich auf die Einstufung in der Düsseldorfer Tabelle auswirken.Die Düsseldorfer Tabelle ist dabei eine Orientierungshilfe. Sie ist kein Gesetz und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.Bei minderjährigen Kindern gelten besondere Schutzregeln. Deshalb dürfen Kreditraten nicht einfach vollständig vom Einkommen abgezogen werden.
Wohnvorteil beim Trennungsunterhalt
Trennungsunterhalt kommt während der Trennung bis zur rechtskräftigen Scheidung infrage. Die rechtliche Grundlage ist insbesondere § 1361 BGB.Bleiben Sie nach dem Auszug Ihres Ehepartners im gemeinsamen Haus, kann Ihnen ein Wohnvorteil zugerechnet werden. Dieser kann Ihren Anspruch auf Trennungsunterhalt verringern.Allerdings hängt die Bewertung von den Umständen ab. Dazu gehören die bisherige Wohnsituation, die Finanzierung und die Dauer der Trennung.Auch die Frage einer Nutzungsentschädigung kann relevant werden. Sie betrifft unter bestimmten Voraussetzungen den Ehepartner, der die gemeinsame Wohnung verlassen hat.
Wohnvorteil beim nachehelichen Unterhalt
Nach der Scheidung gelten die Regeln zum nachehelichen Unterhalt. Eine wichtige Vorschrift ist § 1578 BGB zur Bestimmung des Unterhaltsbedarfs.Ein Wohnvorteil kann das Einkommen des in der Immobilie lebenden Ehepartners erhöhen. Dadurch kann sich der Unterhaltsanspruch verändern.Die Gerichte prüfen dabei die konkreten Umstände. Ein pauschaler Ansatz für alle Fälle wäre nicht sachgerecht.
Praxisbeispiel: Ein Ehepartner bleibt im Haus
Anna und Markus trennen sich. Anna bleibt mit dem gemeinsamen Kind im Eigenheim wohnen.Eine vergleichbare Wohnung würde monatlich 1.200 Euro kosten. Für den Immobilienkredit fallen monatlich Zinsen und Tilgung an.Die 1.200 Euro sind zunächst ein möglicher Anhaltspunkt für den Wohnwert. Sie bedeuten aber nicht automatisch einen anrechenbaren Wohnvorteil von 1.200 Euro.Die Finanzierung, die Unterhaltsart und die konkrete Wohnsituation müssen zusätzlich geprüft werden.
⚖️ Aktuelles Gerichtsurteil zum Wohnvorteil
Der Bundesgerichtshof entschied am 27. November 2024 über die gemeinsame Ehewohnung nach der Trennung.Aktenzeichen: BGH, Beschluss vom 27.11.2024 – XII ZB 28/23.Der BGH stellte klar: Wird der Wohnvorteil bereits bei einer Regelung zum Trennungsunterhalt berücksichtigt, scheidet grundsätzlich eine zusätzliche Nutzungsentschädigung aus. Ohne bestehende Unterhaltsregelung müssen die möglichen Unterhaltsansprüche bei der Billigkeitsprüfung berücksichtigt werden.Für Betroffene bedeutet das: Wohnvorteil und Nutzungsentschädigung sollten nicht isoliert betrachtet werden.
Diese Fehler sollten Sie vermeiden
Fehler 1: Den vollen Mietwert ungeprüft ansetzenDer örtliche Mietwert ist nicht automatisch der endgültige Wohnvorteil. Die Unterhaltsart und die persönliche Situation können zu einer anderen Bewertung führen.Fehler 2: Sämtliche Kreditraten abziehenZinsen und Tilgung werden rechtlich unterschiedlich behandelt. Ein pauschaler Abzug aller Raten kann die Berechnung verfälschen.Fehler 3: Die Wohnsituation nicht dokumentierenBewahren Sie Kreditunterlagen, Nebenkostenabrechnungen und Nachweise über notwendige Reparaturen auf. Diese Unterlagen können für die Berechnung entscheidend sein.Fehler 4: Unterhalt und Nutzungsentschädigung getrennt betrachtenWer die gemeinsame Immobilie allein nutzt, muss mögliche Ansprüche im Zusammenhang betrachten. Sonst drohen doppelte oder widersprüchliche Berechnungen.Fehler 5: Eine Berechnung ungeprüft unterschreibenEin Unterhaltsvergleich kann langfristige Folgen haben. Lassen Sie unklare Wohnwertansätze vor einer verbindlichen Vereinbarung prüfen.
So gehen Sie Schritt für Schritt vor
Schritt 1: Wohnsituation klärenNotieren Sie, wem die Immobilie gehört und wer dort wohnt. Halten Sie auch den Trennungszeitpunkt fest.Schritt 2: Wohnwert ermittelnSammeln Sie Vergleichsmieten für ähnliche Immobilien in derselben Gegend. Bei Bedarf kann eine fachkundige Einschätzung helfen.Schritt 3: Finanzierung aufschlüsselnTrennen Sie die monatlichen Kredit-Zinsen von den Tilgungsleistungen. Legen Sie aktuelle Darlehensabrechnungen bereit.Schritt 4: Weitere Kosten prüfenDokumentieren Sie Hausgeld, notwendige Reparaturen und sonstige relevante Belastungen. Nicht jede laufende Ausgabe ist automatisch abziehbar.Schritt 5: Unterhaltsart bestimmenUnterscheiden Sie zwischen Kindesunterhalt, Trennungsunterhalt und nachehelichem Unterhalt. Für die Berechnung können unterschiedliche Maßstäbe gelten.Schritt 6: Berechnung nachvollziehenPrüfen Sie, wie der Wohnvorteil in die Einkommensberechnung eingeflossen ist. Bei größeren Unklarheiten kann eine familienrechtliche Beratung sinnvoll sein.
Welche Rechtsgrundlagen sind wichtig?
Diese Vorschriften können bei der Prüfung eine Rolle spielen:§ 1603 BGB: Leistungsfähigkeit beim Verwandtenunterhalt§ 1606 BGB: Rang und Verteilung der Unterhaltspflicht§ 1361 BGB: Unterhalt bei Getrenntleben§ 1578 BGB: Maß des nachehelichen Unterhalts§ 1361b BGB: Ehewohnung bei GetrenntlebenWelche Vorschrift entscheidend ist, hängt vom konkreten Unterhaltsanspruch ab.
❓ Häufige Fragen zum Wohnvorteil beim Unterhalt
1. Wird der Wohnvorteil immer vollständig angerechnet?
Nein. Die Höhe richtet sich nach der Unterhaltsart und den Umständen des Einzelfalls. Auch Finanzierungskosten und die konkrete Wohnsituation können eine Rolle spielen.
2. Kann ich die Kreditrate vom Wohnvorteil abziehen?
Nicht automatisch vollständig. Zinsen und Tilgung müssen getrennt geprüft werden. Besonders Tilgungsleistungen unterliegen eigenen unterhaltsrechtlichen Regeln.
3. Wird der Wohnvorteil beim Kindesunterhalt berücksichtigt?
Ja, ein Wohnvorteil kann das unterhaltsrechtlich relevante Einkommen eines Elternteils erhöhen. Die konkrete Berechnung richtet sich nach den geltenden Unterhaltsregeln und der individuellen Situation.Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung zum deutschen Unterhaltsrecht. Er ersetzt keine Prüfung Ihres Einzelfalls.
Wohnvorteilrechner
Sie wohnen in einer eigenen Immobilie und möchten wissen, wie sich
der Wohnvorteil auf den Unterhalt auswirken kann?
Dieser Rechner bietet eine erste Orientierung.
Welche Miete wäre für eine vergleichbare Immobilie ungefähr zu zahlen?
Die Tilgung wird separat ausgewiesen, da sie unterhaltsrechtlich
nicht automatisch vollständig berücksichtigt wird.
Tragen Sie hier nur Kosten ein, deren mögliche Berücksichtigung
Sie prüfen möchten.
Rechnerischer Ausgangswert pro Monat
Wichtig zu wissen
Der Rechner liefert nur einen überschlägigen Rechenwert.
Er stellt nicht fest, welcher Wohnvorteil rechtlich anzusetzen ist.
Maßgeblich sind unter anderem die Unterhaltsart, die Wohnsituation,
die Finanzierung und die geltenden unterhaltsrechtlichen Regeln.
Nicht jede Ausgabe darf automatisch abgezogen werden.
Lassen Sie die Werte bei Bedarf individuell prüfen.
Weitere Hilfe zum Unterhalt
Wie wird der Wohnvorteil beim Unterhalt berücksichtigt?
Im AMK-Ratgeber finden Sie weitere Informationen zum Unterhaltsrecht
und hilfreiche Orientierung für Ihre persönliche Situation.
Praxisnahe Informationen, aktuelle Urteile und hilfreiche Vorlagen- verständlich erklärt
Wohnvorteil beim Unterhalt:
Was zählt Ihr Eigenheim?
✍️ Autor: Redaktion AMK-Rechtsportal | Aktualisiert: Oktober 2026Sie leben nach der Trennung im gemeinsamen Haus? Oder Ihr früherer Partner wohnt weiterhin in der eigenen Immobilie? Dann stellt sich oft eine wichtige Frage: Muss der Wohnvorteil beim Unterhalt berücksichtigt werden?Die Antwort lautet meistens ja. Wer mietfrei im eigenen Haus lebt, spart Wohnkosten. Diese Ersparnis kann das unterhaltsrechtlich relevante Einkommen erhöhen. Wie hoch der Betrag ausfällt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.Der Wohnvorteil ist der wirtschaftliche Vorteil, den Sie durch das Wohnen in einer eigenen Immobilie haben. Er kann bei der Berechnung von Kindesunterhalt und Ehegattenunterhalt als Einkommen berücksichtigt werden. Entscheidend sind unter anderem die Wohnsituation, die Finanzierung und die jeweilige Unterhaltsart.
Was bedeutet Wohnvorteil beim
Unterhalt?
Ein Wohnvorteil entsteht, wenn Sie eine eigene Immobilie selbst bewohnen und dadurch keine vergleichbare Miete zahlen müssen.Das Unterhaltsrecht behandelt diesen Vorteil grundsätzlich wie einen wirtschaftlichen Einkommensvorteil. Er kann deshalb beeinflussen, wie viel Unterhalt Sie zahlen müssen oder erhalten.Der Wohnvorteil ist allerdings kein zusätzlich ausgezahltes Geld. Sie können damit keine Rechnung bezahlen. Trotzdem kann er Ihre unterhaltsrechtliche Leistungsfähigkeit erhöhen.
Welche Immobilien sind betroffen?
Der Wohnvorteil kann bei verschiedenen selbst genutzten Immobilien eine Rolle spielen:•Einfamilienhaus oder Doppelhaushälfte•Eigentumswohnung•Gemeinsames Haus nach der Trennung•Immobilie, die einem Ehepartner allein gehörtEntscheidend ist die tatsächliche Nutzung. Auch die Eigentumsverhältnisse und die laufenden Kosten müssen geprüft werden.
Wohnvorteilrechner
Sie wohnen in einer eigenen Immobilie? Berechnen Sie hier einen
ersten rechnerischen Ausgangswert für den Wohnvorteil beim Unterhalt.
Welche Miete wäre für eine vergleichbare Immobilie ungefähr zu zahlen?
Die Tilgung wird separat ausgewiesen.
Rechnerischer Ausgangswert pro Monat
Wichtiger Hinweis
Das Ergebnis ist eine vereinfachte Rechenhilfe und keine verbindliche
Unterhaltsberechnung. Welche Wohnkosten berücksichtigt werden dürfen,
hängt von der Unterhaltsart und den Umständen des Einzelfalls ab.
Weitere Hilfe zum Unterhalt
Im AMK-Ratgeber finden Sie weitere Informationen zum Unterhaltsrecht
und zum Wohnvorteil.
Anna und Markus trennen sich. Anna bleibt mit dem gemeinsamen Kind im Eigenheim wohnen.Eine vergleichbare Wohnung würde monatlich 1.200 Euro kosten. Für den Immobilienkredit fallen monatlich Zinsen und Tilgung an.Die 1.200 Euro sind zunächst ein möglicher Anhaltspunkt für den Wohnwert. Sie bedeuten aber nicht automatisch einen anrechenbaren Wohnvorteil von 1.200 Euro.Die Finanzierung, die Unterhaltsart und die konkrete Wohnsituation müssen zusätzlich geprüft werden.
⚖️ Aktuelles Gerichtsurteil zum
Wohnvorteil
Der Bundesgerichtshof entschied am 27. November 2024 über die gemeinsame Ehewohnung nach der Trennung.Aktenzeichen: BGH, Beschluss vom 27.11.2024 – XII ZB 28/23.Der BGH stellte klar: Wird der Wohnvorteil bereits bei einer Regelung zum Trennungsunterhalt berücksichtigt, scheidet grundsätzlich eine zusätzliche Nutzungsentschädigung aus. Ohne bestehende Unterhaltsregelung müssen die möglichen Unterhaltsansprüche bei der Billigkeitsprüfung berücksichtigt werden.Für Betroffene bedeutet das: Wohnvorteil und Nutzungsentschädigung sollten nicht isoliert betrachtet werden.
Diese Fehler sollten Sie vermeiden
Fehler 1: Den vollen Mietwert ungeprüft ansetzenDer örtliche Mietwert ist nicht automatisch der endgültige Wohnvorteil. Die Unterhaltsart und die persönliche Situation können zu einer anderen Bewertung führen.Fehler 2: Sämtliche Kreditraten abziehenZinsen und Tilgung werden rechtlich unterschiedlich behandelt. Ein pauschaler Abzug aller Raten kann die Berechnung verfälschen.Fehler 3: Die Wohnsituation nicht dokumentierenBewahren Sie Kreditunterlagen, Nebenkostenabrechnungen und Nachweise über notwendige Reparaturen auf. Diese Unterlagen können für die Berechnung entscheidend sein.Fehler 4: Unterhalt und Nutzungsentschädigung getrennt betrachtenWer die gemeinsame Immobilie allein nutzt, muss mögliche Ansprüche im Zusammenhang betrachten. Sonst drohen doppelte oder widersprüchliche Berechnungen.Fehler 5: Eine Berechnung ungeprüft unterschreibenEin Unterhaltsvergleich kann langfristige Folgen haben. Lassen Sie unklare Wohnwertansätze vor einer verbindlichen Vereinbarung prüfen.
❓ Häufige Fragen zum Wohnvorteil
beim Unterhalt
1. Wird der Wohnvorteil immer vollständig
angerechnet?
Nein. Die Höhe richtet sich nach der Unterhaltsart und den Umständen des Einzelfalls. Auch Finanzierungskosten und die konkrete Wohnsituation können eine Rolle spielen.
2. Kann ich die Kreditrate vom
Wohnvorteil abziehen?
Nicht automatisch vollständig. Zinsen und Tilgung müssen getrennt geprüft werden. Besonders Tilgungsleistungen unterliegen eigenen unterhaltsrechtlichen Regeln.
3. Wird der Wohnvorteil beim
Kindesunterhalt berücksichtigt?
Ja, ein Wohnvorteil kann das unterhaltsrechtlich relevante Einkommen eines Elternteils erhöhen. Die konkrete Berechnung richtet sich nach den geltenden Unterhaltsregeln und der individuellen Situation.Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung zum deutschen Unterhaltsrecht. Er ersetzt keine Prüfung Ihres Einzelfalls.
⚖️ Wie wird der Wohnvorteil
berechnet?
Ausgangspunkt ist der Wohnwert der Immobilie. Er beschreibt den wirtschaftlichen Wert des mietfreien Wohnens.Dabei kommt es auf die jeweilige Unterhaltsart und die konkrete Lebenssituation an. Eine pauschale Berechnung passt deshalb nicht für jeden Fall.1. Objektiver MietwertBei bestimmten Unterhaltsberechnungen zählt die Miete, die sich durch eine Vermietung an Dritte erzielen ließe. Dieser Wert heißt objektiver Mietwert.Er kann insbesondere beim Kindesunterhalt wichtig sein, wenn die Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Elternteils geprüft wird.2. Angemessener WohnwertBeim Ehegattenunterhalt kann zunächst eine andere Betrachtung gelten. Während der Trennungszeit kann der Wohnwert unter Umständen niedriger angesetzt werden.Das kommt beispielsweise infrage, wenn die bisherige Ehewohnung noch nicht dauerhaft zur neuen Lebenssituation passt. Später kann eine höhere Bewertung maßgeblich werden.3. Finanzierung und laufende KostenNicht jede Ausgabe für das Haus darf automatisch vom Wohnvorteil abgezogen werden. Es kommt auf die Art der Ausgabe und die unterhaltsrechtlichen Regeln an.Zu prüfen sind insbesondere:•Zinsen für Immobilienkredite•Tilgungsleistungen zur Rückzahlung des Kredits•Nicht umlagefähige Kosten•Erforderliche InstandhaltungskostenDie Tilgung ist besonders wichtig. Sie reduziert die Darlehensschuld und baut Vermögen auf. Deshalb wird sie nicht immer vollständig wie eine gewöhnliche Ausgabe behandelt.
Welche Kosten mindern den
Wohnvorteil?
Die Berechnung beginnt mit dem maßgeblichen Wohnwert. Anschließend werden zulässige Belastungen nach den geltenden Unterhaltsregeln geprüft.PositionUnterhaltsrechtliche BehandlungKredit-ZinsenKönnen abzugsfähig seinKredit-TilgungEinzelfallprüfung erforderlichHausgeldNur relevante Kosten prüfenInstandhaltungAngemessene Kosten prüfenStrom und HeizungNicht pauschal abziehenAchtung: Diese Tabelle ersetzt keine konkrete Berechnung. Die Gerichte berücksichtigen auch die wirtschaftliche Lage und die Interessen der Unterhaltsberechtigten.
Wohnvorteil beim Kindesunterhalt
Beim Kindesunterhalt zählt grundsätzlich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beider Elternteile nach den geltenden Regeln.Wohnt ein Elternteil mietfrei im eigenen Haus, kann der Wohnvorteil sein unterhaltsrechtliches Einkommen erhöhen. Das kann sich auf die Einstufung in der Düsseldorfer Tabelle auswirken.Die Düsseldorfer Tabelle ist dabei eine Orientierungshilfe. Sie ist kein Gesetz und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.Bei minderjährigen Kindern gelten besondere Schutzregeln. Deshalb dürfen Kreditraten nicht einfach vollständig vom Einkommen abgezogen werden.
Wohnvorteil beim Trennungsunterhalt
Trennungsunterhalt kommt während der Trennung bis zur rechtskräftigen Scheidung infrage. Die rechtliche Grundlage ist insbesondere § 1361 BGB.Bleiben Sie nach dem Auszug Ihres Ehepartners im gemeinsamen Haus, kann Ihnen ein Wohnvorteil zugerechnet werden. Dieser kann Ihren Anspruch auf Trennungsunterhalt verringern.Allerdings hängt die Bewertung von den Umständen ab. Dazu gehören die bisherige Wohnsituation, die Finanzierung und die Dauer der Trennung.Auch die Frage einer Nutzungsentschädigung kann relevant werden. Sie betrifft unter bestimmten Voraussetzungen den Ehepartner, der die gemeinsame Wohnung verlassen hat.
Wohnvorteil beim nachehelichen
Unterhalt
Nach der Scheidung gelten die Regeln zum nachehelichen Unterhalt. Eine wichtige Vorschrift ist § 1578 BGB zur Bestimmung des Unterhaltsbedarfs.Ein Wohnvorteil kann das Einkommen des in der Immobilie lebenden Ehepartners erhöhen. Dadurch kann sich der Unterhaltsanspruch verändern.Die Gerichte prüfen dabei die konkreten Umstände. Ein pauschaler Ansatz für alle Fälle wäre nicht sachgerecht.
So gehen Sie Schritt für Schritt vor
Schritt 1: Wohnsituation klärenNotieren Sie, wem die Immobilie gehört und wer dort wohnt. Halten Sie auch den Trennungszeitpunkt fest.Schritt 2: Wohnwert ermittelnSammeln Sie Vergleichsmieten für ähnliche Immobilien in derselben Gegend. Bei Bedarf kann eine fachkundige Einschätzung helfen.Schritt 3: Finanzierung aufschlüsselnTrennen Sie die monatlichen Kredit-Zinsen von den Tilgungsleistungen. Legen Sie aktuelle Darlehensabrechnungen bereit.Schritt 4: Weitere Kosten prüfenDokumentieren Sie Hausgeld, notwendige Reparaturen und sonstige relevante Belastungen. Nicht jede laufende Ausgabe ist automatisch abziehbar.Schritt 5: Unterhaltsart bestimmenUnterscheiden Sie zwischen Kindesunterhalt, Trennungsunterhalt und nachehelichem Unterhalt. Für die Berechnung können unterschiedliche Maßstäbe gelten.Schritt 6: Berechnung nachvollziehenPrüfen Sie, wie der Wohnvorteil in die Einkommensberechnung eingeflossen ist. Bei größeren Unklarheiten kann eine familienrechtliche Beratung sinnvoll sein.
Welche Rechtsgrundlagen sind
wichtig?
Diese Vorschriften können bei der Prüfung eine Rolle spielen:§ 1603 BGB: Leistungsfähigkeit beim Verwandtenunterhalt§ 1606 BGB: Rang und Verteilung der Unterhaltspflicht§ 1361 BGB: Unterhalt bei Getrenntleben§ 1578 BGB: Maß des nachehelichen Unterhalts§ 1361b BGB: Ehewohnung bei GetrenntlebenWelche Vorschrift entscheidend ist, hängt vom konkreten Unterhaltsanspruch ab.
ZugewinnausgleichErbschaften, Schenkungen und Schmerzensgeld zählen grundsätzlich nicht direkt zum Zugewinn.
GütergemeinschaftFür viele Ehepaare ist Gütertrennung oder die gesetzliche Zugewinngemeinschaft sinnvoller als eine Gütergemeinschaft.
Scheidung und MietwohnungDie Wohnung wird in der Regel dem Elternteil zugewiesen, bei dem die Kinder leben.
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Autor: „Fachredaktion Familienrecht“
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