Unterhalt für die Vergangenheit zahlen – Wann
rückwirkender Unterhalt möglich ist
Autor: Redaktion AMK-Rechtsportal / Aktualisiert: August 2026
Unterhalt wird grundsätzlich nur für die Zukunft geschuldet. In bestimmten
Fällen kann jedoch auch Unterhalt für die Vergangenheit verlangt werden.
Die wichtigste gesetzliche Grundlage dafür ist § 1613 BGB.
Ein Anspruch entsteht meist erst, wenn der Unterhaltspflichtige zur Auskunft
oder Zahlung aufgefordert wurde, in Verzug geraten ist oder ein gerichtliches
Verfahren begonnen hat
Dieser Ratgeber erklärt verständlich:
•
Wann rückwirkender Unterhalt möglich ist
•
Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen
•
Wie hoch die Nachzahlung sein kann
•
Welche Fristen gelten
Rückwirkender Unterhalt – das Wichtigste auf einen
Blick
Punkt Erklärung
Grundregel Unterhalt wird normalerweise
nur für die Zukunft gezahlt
Gesetzliche Grundlage § 1613 BGB
Rückwirkende Forderung
möglich bei Verzug, Auskunftsaufforderung
oder Klage
Verjährungsfrist regelmäßig 3 Jahre
Anspruchsteller Kinder, Ehegatten oder Ex-Ehegatten
Was bedeutet Unterhalt für die Vergangenheit?
Unterhalt für die Vergangenheit bedeutet, dass nicht gezahlter Unterhalt
nachträglich eingefordert wird.
Beispiel:
Ein Vater zahlt mehrere Monate keinen Kindesunterhalt. Wird der Anspruch
später geltend gemacht, kann der fehlende Unterhalt für diese Monate
nachgezahlt werden.
Der Gesetzgeber erlaubt diese Nachforderung jedoch nur unter bestimmten
Voraussetzungen.
Voraussetzungen für rückwirkenden Unterhalt
Damit Unterhalt für die Vergangenheit verlangt werden kann,
müssen meist die Voraussetzungen des § 1613 BGB erfüllt
sein.
Typische Fälle sind:
1. Aufforderung zur Auskunft über Einkommen
Der Unterhaltspflichtige wird schriftlich aufgefordert, seine
Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenzulegen.
2. Unterhaltspflichtiger gerät in Verzug
Der Unterhaltsberechtigte verlangt konkret Zahlung und der
Verpflichtete zahlt dennoch nicht.
3. Gerichtliches Verfahren
Der Unterhaltsanspruch wird vor Gericht geltend gemacht.
Ab diesem Zeitpunkt kann der Unterhalt ab dem ersten Tag
des entsprechenden Monats verlangt werden.
Beispiel für rückwirkenden Kindesunterhalt
Praxisbeispiel:
•
Vater Nettoeinkommen: 2.800 €
•
Kind: 14 Jahre
•
Mindestunterhalt laut Düsseldorfer Tabelle: 502 €
•
Kindergeldanteil: 129,50 €
•
Berechnung:
502 € – 129,50 € = 372,50 € monatlicher Unterhalt
Wenn der Vater 6 Monate nicht gezahlt hat:
372,50 € × 6 = 2.235 € Nachzahlung
Sonderfälle: Unterhalt ohne vorherige
Aufforderung
In wenigen Situationen kann Unterhalt auch ohne vorherige
Zahlungsaufforderung verlangt werden:
•
Sonderbedarf (z. B. unerwartete hohe Kosten für
medizinische Behandlung)
•
Täuschung oder bewusstes Verbergen von Einkommen
•
wenn der Berechtigte an der Geltendmachung gehindert
war
Diese Fälle sind jedoch selten und müssen meist gerichtlich
geprüft werden.
Wie sich rückwirkender Unterhalt sichern lässt
Wer Unterhalt für die Vergangenheit verlangen möchte, sollte schnell
handeln.
Empfohlene Schritte:
1.
Schriftliche Zahlungsaufforderung senden
2.
Auskunft über Einkommen verlangen
3.
Jugendamt oder Anwalt einschalten
4.
Unterhaltstitel beantragen
Ein Unterhaltstitel ermöglicht später auch Zwangsvollstreckung.
Verjährung beim Unterhalt
Unterhaltsansprüche verjähren grundsätzlich nach 3
Jahren.
Beispiel:
Unterhalt aus dem Jahr 2023 kann in der Regel bis
31.12.2026 geltend gemacht werden.
Je früher der Anspruch gestellt wird, desto einfacher ist die
Durchsetzung.
Häufige Fehler beim rückwirkenden Unterhalt
Viele Unterhaltsberechtigte verlieren Ansprüche, weil sie zu spät handeln.
Typische Fehler:
•
keine schriftliche Zahlungsaufforderung
•
keine Auskunft über Einkommen verlangt
•
Unterhalt nicht titulieren lassen
•
zu lange warten
Ein kurzer Brief kann bereits ausreichen, um den Anspruch für die Zukunft zu
sichern.
Wann Unterhalt für die Vergangenheit
gezahlt werden muss
Unterhalt wird grundsätzlich nicht rückwirkend gezahlt.
Eine Nachforderung ist jedoch möglich, wenn:
•
der Unterhaltspflichtige zur Zahlung aufgefordert wurde
•
er in Verzug geraten ist
•
ein Gerichtsverfahren eingeleitet wurde
Wer Unterhalt verlangt, sollte daher frühzeitig handeln und
den Anspruch dokumentieren.
FAQ – Unterhalt für die Vergangenheit
Kann Unterhalt rückwirkend verlangt werden?
Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. In der Regel muss der
Unterhaltspflichtige zuvor zur Zahlung oder Auskunft aufgefordert worden sein.
Wie lange kann Unterhalt rückwirkend verlangt werden?
Unterhaltsforderungen verjähren normalerweise nach drei Jahren.
Kann Kindesunterhalt immer rückwirkend verlangt werden?
Nein. Ohne vorherige Aufforderung oder gerichtliches Verfahren ist eine
Nachforderung meist nicht möglich.
Ab wann muss rückwirkender Unterhalt gezahlt werden?
In der Regel ab dem Monat, in dem der Unterhaltspflichtige zur Auskunft oder
Zahlung aufgefordert wurde.
Kann das Jugendamt rückwirkenden Unterhalt verlangen?
Ja. Wenn das Jugendamt den Unterhaltsanspruch vertritt, kann es auch
rückwirkende Forderungen geltend machen.
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Stand: März 2026 – Redaktion AMK Rechtsportal
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