⚖️ Schmerzensgeld wegen
Beleidigung
Einleitung: Wann wird eine
Beleidigung rechtlich relevant?
Eine Beleidigung ist im Alltag schnell gesagt – im
Streit, online oder aus Emotionen heraus. Doch
rechtlich kann sie erhebliche Folgen haben. In
Deutschland schützt das Gesetz die persönliche
Ehre und die Menschenwürde sehr stark.
Grundlage ist vor allem:
⚖️ § 185 Strafgesetzbuch (Beleidigung)
⚖️ § 823 Abs. 1 BGB (Schadensersatz bei
Persönlichkeitsverletzung)
⚖️ § 253 Abs. 2 BGB (Schmerzensgeld bei
immateriellen Schäden)
Wichtig: Nicht jede unfreundliche Aussage ist
gleich eine Beleidigung im rechtlichen Sinn.
Was ist eine Beleidigung im
rechtlichen Sinne?
Eine Beleidigung liegt vor, wenn jemand die Ehre
einer anderen Person verletzt. Das kann auf
verschiedene Weise geschehen:
•
direkte Beschimpfungen („Idiot“, „Versager“
etc.)
•
Gesten oder nonverbale Abwertungen
•
Aussagen in Chats, Social Media oder
Kommentaren
•
öffentliche Herabsetzungen vor Dritten
Entscheidend ist immer, wie die Aussage objektiv
verstanden wird – nicht nur, wie sie gemeint war.
⚠️ Abgrenzung: Keine Beleidigung
ist…
Nicht jede Aussage ist automatisch strafbar oder
schadensersatzpflichtig:
•
❗ sachliche Kritik („Das Produkt war schlecht
verarbeitet“)
•
❗ wertende Meinungen ohne Schmähcharakter
•
❗ berechtigte Kritik im Rahmen einer
Diskussion
Erst wenn die Grenze zur Schmähkritik oder
persönlichen Herabwürdigung überschritten wird,
wird es rechtlich relevant.
Schmerzensgeld: Wann besteht ein
Anspruch?
Ein Anspruch auf Schmerzensgeld entsteht nur,
wenn die Beleidigung eine erhebliche Verletzung
des Persönlichkeitsrechts darstellt.
Typische Voraussetzungen:
•
erhebliche Kränkung oder Demütigung
•
öffentliche Verbreitung der Beleidigung
•
wiederholte oder gezielte Angriffe
•
nachweisbare psychische Belastung
Das Gericht prüft immer den Einzelfall sehr genau.
Wie wird die Höhe des
Schmerzensgeldes bestimmt?
Es gibt keine festen Tabellen. Die Höhe richtet sich
nach mehreren Faktoren:
•
⚡ Schwere der Beleidigung
•
Öffentlichkeit (privat vs. öffentlich im Internet)
•
Häufigkeit der Aussagen
•
persönliche Auswirkungen auf das Opfer
•
Dauer der Beeinträchtigung
Ergebnis: Die Beträge sind stark unterschiedlich –
von kleineren Beträgen bis hin zu mehreren
tausend Euro bei schweren Fällen.
Beleidigungen im Internet: besonders
problematisch
Online-Beleidigungen sind oft gravierender als
private Aussagen, weil sie:
•
schnell verbreitet werden
•
dauerhaft auffindbar bleiben können
•
eine große Öffentlichkeit erreichen
•
gezielt Rufschäden verursachen können
Typische Beispiele:
•
negative Fake-Bewertungen ⭐
•
beleidigende Social-Media-Kommentare
•
öffentliche Diffamierungen
Gerichte berücksichtigen die Reichweite im Internet
häufig bei der Höhe des Schmerzensgeldes.
⚖️ Ablauf: Wie kommt man zu
Schmerzensgeld?
Wer Schmerzensgeld wegen Beleidigung geltend
machen möchte, sollte strukturiert vorgehen:
1. Beweise sichern
Screenshots
Chatverläufe
Zeugenaussagen
Links und Posts
2. Dokumentation erstellen
Datum und Uhrzeit
Kontext der Aussage
mögliche Zeugen
3. ⚖️ rechtliche Prüfung
Einschätzung durch Anwalt oder Gericht
Prüfung auf Strafbarkeit und zivilrechtliche
Ansprüche
4. außergerichtliche Forderung
häufig erfolgt zunächst eine Abmahnung oder
Zahlungsaufforderung
5. gerichtliche Durchsetzung
wenn keine Einigung erfolgt, entscheidet das
Gericht
Beispiele aus der Praxis
Einmalige Beschimpfung im Streit → oft geringe
oder keine Entschädigung
Beleidigung in Social Media mit vielen Lesern →
eher Schmerzensgeld möglich
Wiederholtes Mobbing über längere Zeit → deutlich
höhere Beträge möglich
Wichtige Hinweise
•
⚠️ Nicht jede Beleidigung führt automatisch zu
Schmerzensgeld
•
⚖️ Gerichte wägen immer zwischen
Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht ab
•
Der Einzelfall entscheidet maßgeblich über
Erfolg und Höhe
Fazit
Schmerzensgeld wegen Beleidigung ist in
Deutschland möglich, aber klar an
Voraussetzungen gebunden. Entscheidend ist die
Intensität der Ehrverletzung, die Verbreitung und
die konkreten Auswirkungen auf die betroffene
Person.
Je schwerer und öffentlicher die Beleidigung, desto
eher kann ein Anspruch auf Schmerzensgeld
bestehen.
❓ FAQ: Schmerzensgeld wegen
Beleidigung
Wann bekommt man Schmerzensgeld
wegen Beleidigung?
Schmerzensgeld kann nur verlangt werden, wenn
die Beleidigung eine erhebliche Verletzung des
Persönlichkeitsrechts darstellt. Das ist meist der
Fall bei schweren, öffentlichen oder wiederholten
Beleidigungen.
⚖️ Ist jede Beleidigung strafbar?
Nein. Nicht jede unhöfliche oder emotionale
Aussage ist strafbar. Es muss sich um eine
ehrverletzende Äußerung handeln, die über
normale Kritik hinausgeht.
Wie viel Schmerzensgeld gibt es bei
Beleidigung?
Die Höhe hängt vom Einzelfall ab. Entscheidend
sind unter anderem:
•
Schwere der Beleidigung ⚡
•
Öffentlichkeit
•
Häufigkeit
•
Folgen für die betroffene Person
Die Beträge reichen typischerweise von niedrigen
dreistelligen bis zu mehreren tausend Euro.
Zählt eine Beleidigung im Internet auch?
Ja. Beleidigungen in sozialen Medien,
Kommentaren oder Bewertungen können
besonders schwer wiegen, da sie schnell verbreitet
werden und viele Menschen erreichen.
Welche Beweise brauche ich?
•
Wichtige Beweise sind:
•
Screenshots
•
Chatverläufe
•
Zeugenaussagen
•
Links oder gespeicherte Beiträge
⚖️ Muss ich sofort vor Gericht gehen?
Nein. Oft wird zuerst versucht:
•
•
eine außergerichtliche Einigung
•
eine Abmahnung
•
eine Zahlungsaufforderung
Erst wenn das nicht funktioniert, kommt es zu einer
Klage.
⚠️ Gibt es eine Frist?
Ja. Ansprüche können verjähren. In der Regel gilt
die regelmäßige Verjährungsfrist von 3 Jahren ab
Kenntnis der Beleidigung und der Person des
Täters.
⚖️ Aktuelles Urteil zu
Schmerzensgeld (BGH 2025)
⚖️ BGH, Beschluss vom 11.02.2025 – VI ZR
185/24
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte sich mit einem
Fall zu befassen, in dem ein Geschädigter
Schmerzensgeld wegen psychischer
Beeinträchtigungen nach einem schweren Unfall
geltend machte. Dabei ging es insbesondere um
die Frage, wie konkret psychische Schäden
dargelegt werden müssen, um Schmerzensgeld zu
erhalten.
Der BGH stellte klar:
•
Eine psychische Beeinträchtigung kann
grundsätzlich einen Anspruch auf
Schmerzensgeld begründen.
•
Allerdings muss der Schaden substantiiert und
nachvollziehbar dargelegt werden.
Das Gericht hob eine Entscheidung der Vorinstanz
auf und verwies den Fall zurück, weil die
Anforderungen an die Begründung nicht korrekt
geprüft worden waren.
•
Schmerzensgeld gibt es nur bei nachweisbarer
immaterieller Beeinträchtigung
•
Psychische Folgen müssen konkret
beschrieben und belegt sein
•
⚖️ Gerichte dürfen nicht einfach pauschal
annehmen oder ablehnen
•
Bloße Behauptungen reichen nicht aus
•
Bedeutung für Beleidigungsfälle
Auch wenn der Fall keinen klassischen
Beleidigungsfall betrifft, ist er wichtig für solche
Ansprüche:
Für Schmerzensgeld wegen Beleidigung gilt
ebenfalls:
Es muss eine spürbare Persönlichkeitsverletzung
vorliegen
Die Auswirkungen (z. B. Stress, Angst, soziale
Folgen) müssen nachvollziehbar sein
Gerichte prüfen sehr streng, ob der immaterielle
Schaden wirklich besteht
Das Urteil zeigt die generelle Linie der
Rechtsprechung:
•
⚖️ Schmerzensgeld wird nicht „automatisch“
zugesprochen
•
⚖️ Die Hürden für immaterielle Schäden
bleiben hoch
•
⚖️ Begründung und Beweisführung sind
entscheidend
Schmerzensgeld
wegen Brust OP
Depressionen, Angstzustände oder
erhebliche seelische Belastungen können
bei der Bemessung des
Schmerzensgeldes berücksichtigt werden.
Was sind Behandlungsfehler?
Ein Arzt macht sich haftbar, wenn er eine
nicht angemessene oder falsche
Behandlung durchführt.
Schmerzensgeld wegen
Bandscheibe
Nicht jeder Bandscheibenschaden führt
automatisch zu einem Anspruch.
Recht verstehen. Sicher entscheiden.
Praxisnahe Informationen, aktuelle Urteile
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Autor: Redaktion AMK-Rechtsportal
aktualisiert: Juni 2026 –
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